Warum ist es eigentlich so schlimm ein besorgter Bürger zu sein?

„Du bist doch auch einer dieser besorgten Bürger, oder?“ raunzte mich der Typ von der Seite an, nachdem ich mich zu dem widerlichen Mord an dem kleinen Jungen von Gleis 7 auf Facebook recht deutlich geäussert habe. „Stimmt, ich bin ein besorgter Bürger. Du nicht?“

Das Unheil nahm seinen rhetorischen Lauf und es kam, wie es kommen musste. „Nein, ich bin kein besorgter Bürger. Verbrechen passieren jeden Tag, und ihr Rechten (STOP: sagte er allen Ernstes gerade „IHR RECHTEN“?) weidet das auch noch politisch für eure kranken Sieg-Heil-Einstellungen aus um Hetze gegen Flüchtlinge zu schüren!“

Ich nahm erschrocken zur Kenntnis, dass ich als bekennender, besorgter Bürger nun angeblich rechts zu verorten sei. Weil ich besorgt bin.

Ist aber das Besorgtsein an sich nicht ein Zeichen von Empathie? Wäre ich nicht besorgt, dann ginge mir schließlich alles am Allerwertesten vorbei, was aktuell in unserem Land so passiert.

Oder, anders formuliert: muss ich wegschauen und stillschweigend hinnehmen, was passiert, mein Empfinden, mein Gewissen abschalten und gefühlskalt mit den Schultern zucken, weil „sowas“ nun mal so ist, wie es ist und angeblich schon immer so war?

Wer sich im Gegenteil keine oder nur geringe Sorgen macht, wird sorglos, unbekümmert oder leichtsinnig genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sorge

Das trifft es doch auf den Punkt: mein Gegenüber ist wohl sowohl sorglos, unbekümmert als auch leichtsinnig. Nicht nur, weil ihm jede Empathie zu fehlen scheint, sondern weil er sich nicht die Mühe macht, hinzuschauen. Dabei ist genau das niemals zuvor einfacher gewesen als heutzutage. Gleichwelche Ereignisse erreichen uns heute auf zahlreichen medialen Wegen nahezu in Echtzeit. Nie war es so einfach wie heute, sich neutral, sachlich und umfassend ein Lagebild zu gleichwelchen Ereignissen zu verschaffen, um sich daraufhin höchsteigen eine Meinung zu diesem oder jedem Ereignis zu bilden.

Das Schlimme daran ist eigentlich, dass der unbesorgte, unbekümmerte und somit leichtsinnige Bürger selbst belegbare Fakten pauschal abschmettert, da er in der Regel ideologisch verblendet und entweder nicht willens oder in der Lage ist, sich tatsächlich mal mit entsprechenden Ereignissen zu befassen. Ein Blick über den verblendeten Tellerrand scheint zu viel verlangt zu sein.

Das war schon immer so. Kein Grund, besorgt zu sein. Hier ist nichts passiert, bitte gehen Sie weiter!

NEIN. Eben NICHT.

Ich schaue auch weiterhin hin und werde mich nicht mit den Entwicklungen abfinden, die sich im Laufe der letzten Jahre in unserem Land etabliert haben.

Ich mag keine Poller auf Weihnachtsmärkten oder Stadtfesten, denn ein jeder Poller erinnert mich schmerzlich daran, was am Berliner Breitscheidplatz passierte. Es war der Moment, in dem der islamistische Terror Deutschland erreichte.

Ich mag keine No-Go-Areas in Stadtteilen mancher Städte, in denen es eigene Gesetze der Kriminellen gibt und unser Grundgesetz einen feuchten Kehrricht gilt.

Ich möchte mich im Freibad auch weiterhin frei bewegen können, ohne zuvor eine Art Registrierungsprocedere durchlaufen und mich von Sicherheitspersonal schützen lassen zu müssen.

Ich bin es leid, nahezu täglich von Messerangriffen lesen zu müssen, die sich in unserem Land ereignen und die Verrohung derer zeigen, die doch eigentlich Schutz in unserem Land suchten.

Ich will nicht hinnehmen, dass wilde Horden von zu uns geflüchteten Menschen, in deren Heimat eine Frau nichts wert ist, hier bei uns Frauen als Freiwild betrachten, sie demütigen und vergewaltigen.

Ich komme mit der Erkenntnis nicht klar, dass in unserem Land vom Verfassungsschutz als Gefährder eingestufte Islamisten unbehelligt leben und konspirative Strukturen aufbauen können mit dem Ziel, unser Land in einen Gottesstaat zu verwandeln und die Scharia einzuführen.

JA, ich bin besorgt über diese Entwicklung. Ich bin besorgt darüber, dass diese Taten zunehmend weniger wahrgenommen werden; darüber, dass diese Taten gar verharmlost, relativiert oder gar geleugnet werden.

NEIN. Ich empfinde es nicht als schlimm, ein besorgter Bürger zu sein, ich stehe dazu. Und das, ohne „rechts“ zu sein.